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Die Aktualität der Konferenz von Zimmerwald gegen den Krieg (September 1915)

Aufruf zu einer öffentlichen Debatte

 

"ZIMMERWALD 1915" - UND 2015 ?

Vor hundert Jahren vereinigten sich eine handvoll entschlossener Sozialisten in Zimmerwald (Schweiz). 38 internationalistische Delegierte erhoben sich gegen die industrielle Barbarei des Ersten Weltkriegs und den Imperialismus.

Heute schießt der Kriegsbogen, von der Ukraine bis Mali, seine Schrecken und Ausgebürgerten um sich. Im Libanon ist schon jeder vierte Einwohner Flüchtling. Hierzu kommen noch die Kriegstrommeln in China, dem Chinesischen Meer und an allen vier Ecken der Welt. Die imperialistischen Großmächte, wie die neuen Anwärter die sich Präbenden zu ergattern suchen, sind immer aufs neue am Zug und stoßen gegen einander unter dem Deckmantel des Terrorismus oder anderer "guter" Gründe wie die Verteidigung der "Demokratie" oder der "kleinen, unterdrückten und verfolgten Völker" !!!

Wagen wir es, dem wachsenden kapitalistischen Chaos gegenüber - wie unsere unerschrockenen Vorläufer - diesen dritten Weg zu suchen, die Vernichtung des Kapitalismus und seiner kriegslüsternen Staaten mit der Abschaffung der Lohnarbeit und des Geldes, mit der Errichtung der Macht der Arbeiterräte und der Vernichtung aller Staaten.

Nehmt teil an der Debatte am Samstag den 31. Oktober, von 14.00 - 23.00 Uhr, im Saal Sénéchal, Toulouse.

Lasst uns überall Versammlungen organisieren um von Zimmerwald gegen den imperialistischen Krieg zu sprechen !

Das Programm dieses Tages ist in Kürze online über Smolny

 


 

Kurze Auszüge aus dem Zimmerwalder Manifest (September 1915)

 

Proletarier Europas ! [1]

Mehr als ein Jahr dauert der Krieg. Millionen von Leichen bedecken die Schlachtfelder, Millionen von Menschen wurden für ihr ganzes Leben zu Krüppeln gemacht. Europa gleicht einem gigantischen Menschenschlachthaus. Die ganze, durch die Arbeit vieler Generationen geschaffene Kultur ist der Verwüstung geweiht. Die wildeste Barbarei feiert heute ihren Triumph über alles, was bis jetzt den Stolz der Menschheit ausmachte.

Welches auch immer die Wahrheit über die unmittelbare Verantwortung für den Ausbruch dieses Krieges sei – das eine steht fest : Der Krieg, der dieses Chaos erzeugte, ist die Folge des Imperialismus, des Strebens der kapitalistischen Klassen jeder Nation, ihre Profitgier durch die Ausbeutung der menschlichen Arbeit und der Naturschätze des ganzen Erdballs zu nähren.

Wirtschaftlich rückständige oder politisch schwache Nationen fallen dabei der Unterjochung durch die Großmächte anheim, die in diesem Kriege versuchen, die Weltkarte ihrem Ausbeutungsinteresse entsprechend mit Blut und Eisen neu zu gestalten. (...)

(...) Die Kapitalisten aller Länder, die aus dem vergossenen Blut des Volkes das rote Gold der Kriegsprofite münzen, behaupten, der Krieg diene der Verteidigung des Vaterlandes, der Demokratie, der Befreiung unterdrückter Völker. Sie lügen. In Tat und Wahrheit begraben sie auf den Stätten der Verwüstung die Freiheit des eigenen Volkes mitsamt der Unabhängigkeit anderer Nationen. Neue Fesseln, neue Ketten, neue Lasten entstehen, und das Proletariat aller Länder, der siegreichen wie der besiegten, wird sie zu tragen haben. (...)

(...)
Proletarier ! Seit Ausbruch des Krieges habt ihr eure Tatkraft, euren Mut, eure Ausdauer in den Dienst der herrschenden Klassen gestellt. Nun gilt es, für die eigene Sache, für die heiligen Ziele des Sozialismus, für die Erlösung der unterdrückten Völker wie der geknechteten Klassen einzutreten durch den unversöhnlichen proletarischen Klassenkampf.

(...)

Arbeiter und Arbeiterinnen ! Mütter und Väter ! Witwen und Waisen ! Verwundete und Verkrüppelte ! Euch allen, die ihr vom Kriege und durch den Krieg leidet, rufen wir zu : Über die Grenzen, über die dampfenden Schlachtfelder, über die zerstörten Städte und Dörfer hinweg,

PROLETARIER ALLER LÄNDER VEREINIGT EUCH !

Zimmerwald (Schweiz), 15 September 1915.

 

[1Vom 5.-8. September 1915 trat in dem Schweizer Dorf Zimmerwald bei Bern die erste internationale sozialistische Konferenz gegen den Ersten Weltkrieg zusammen, an der achtunddreißig Delegierte aus elf Ländern teilnahmen. Das Manifest wurde von der Konferenz mit nur geringfügigen Veränderungen „einstimmig und begeistert” angenommen.
Sein vollständiger Text findet sich auf : https://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/1915/09/zimmerwald.htm
Das Manifest wurde am 21 September 1915 von der Internationalen Sozialistischen Kommission zu Bern veröffentlicht, im Bulletin Nr. 1, Seite 2 ff.. (S. Marcy, "Index to Bolsheviks and War", 1985).